Samstag, 05 Juli 2025 11:22

Gießen: 2LabsToGo-Eco-System detektiert unbekannte Schadstoffe in Lifestyleprodukten Empfehlung

Mit einer neuen Analysemethodik hat ein Wissenschaftsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Gertrud Morlock, Professorin für Lebensmittelwissenschaften an der Justus-Liebig-Universität Gießen Liftstyle-Produkte auf gefährliche Verbindungen hin untersucht und wurde fündig. Laut Autorinnen und Autoren soll die kritische Überprüfung eine Debatte zu fehlenden geeigneten Sicherheitsanalysen und fehlenden Regulierungen anregen.


Moderne Lifestyle-Produkte wie Hautpflegeprodukte, Kosmetika oder Parfums enthalten gefährliche Verbindungen, die durch frühere Tests nicht erkannt wurden und derzeit nicht reguliert werden. Das Gesamtbild einer Probe werde nicht erfasst, und unbekannte oder versteckte gefährliche Verbindungen würden übersehen, bemängeln die Autorinnen und Autoren. 

Für ihre Untersuchungen entwickelte die Forscherinnen und Forscher die kostengünstige open-source 2LabsToGo-Eco-Methode. Sie besteht aus einem analytischen hochleistungsdünnschicht-chromatographischem Verfahren und kombiniert ein benutzerfreundliches Bioassay-Labor miteinander. Die neu entwickelte Methode der JLU-Wissenschaftlerinnen ermöglicht es, unbekannte Schadstoffe in diesen komplexen Produkten zu entdecken und gleichzeitig ihre Wirkung auf Zellen und Rezeptoren zu untersuchen. Dadurch muss ein Schadstoff nicht erst bekannt sein, um seinen Effekt sehen zu können. Bisher unbekannte Schadstoffe können Inhaltstoffe, aber auch Kontaminanten, Verunreinigungen und Abbauprodukte sein. Die Forscherinnen und Forscher untersuchten mit ihrer Methode 140 Hautpflegeprodukte und Kosmetika aus 20 Produktsegmenten sowie über 40 Parfums.

Die planaren Assays auf einer ebenen Fläche bzw. auf einer chromatografischen Platte) bestehen aus: Mutagenität (Ames Zytotoxizitäts-Bioassy), Genotoxizität (SOS-umu-C bioassay), Zytotoxizität (Kultur mit MTT-Substrat), Neuromodulation/Neurotoxizität (Acetylcholinesterase-Inhibitions-Assay), Antibakteriell (Aliivibrio fisheri und Bacillus subtilis Bioassay) sowie Tests auf Hormonwirksamkeit (Aromatase-inhibitions-Assay, Hefe-Antiöstrogen-Test, Östrogen Screening-Bioassay (pYAVAS), Hefe-Antiandrogen-Test und Androgen-Screening-Bioassay (pYAVAS).

Die Autorinnen und Autoren räumen ein, dass schwer nachzuweisen sei, welchen Effekt diese Schadstoffe genau auf den Menschen oder die Natur haben. Denkbar sei ein Einfluss auf das Hautmikrobiom und den Körper, insbesondere wenn sie über Wunden, Mikrorisse in der Haut, die zum Beispiel beim Rasieren entstehen können, oder Zahnfleischbluten direkt in die Blutbahn gelangen. Durch das Abwaschen könnten die Schadstoffe zudem Effekte auf Natur und Umwelt haben.

Das 2LabsToGo-Eco-System soll Herstellern und Überwachungsbehörden ermöglichen, die Schadstoffbelastung von Lifestyle-Produkten, Kosmetika, Lebensmitteln, Futtermitteln, und Umweltproben in Zukunft besser zu prüfen und damit zu minimieren - ohne Tierversuche.

Die Forschung wurde unterstützt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (INST 162/471-1 FUGG und INST 162/536-1 FUGG) und dem Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (E/U2AD/KA018/IF565).

Originalpublikationen:
Morlock GE. Chemical safety screening of products - better proactive. J Chromatogr A. 2025 Jul 5;1752:465946. doi: 10.1016/j.chroma.2025.465946. Epub 2025 Apr 19. PMID: 40253797.

Romero MCO, Jakob K, Schmidt J, Nimmerfroh T, Schwack W, Morlock GE. Consolidating two laboratories into the most sustainable lab of the future: 2LabsToGo-Eco. Anal Chim Acta. 2025 Sep 15;1367:344103. doi: 10.1016/j.aca.2025.344103. Epub 2025 Apr 20. PMID: 40610132.

Weitere Quellen:
https://www.uni-giessen.de/de/ueber-uns/pressestelle/pm/pm98-25schadstoffeinlifestyleprodukten
LabsToGo-Eco: https://github.com/OfficeChromatography/2LabsToGo-Eco
https://www.chemeurope.com/en/news/1186577/unmasking-hazardous-compounds-in-cosmetics-skincare-products-and-perfumes.html