Freitag, 25 Juli 2025 13:39

Probandenstudie: Ewigkeitschemikalien beeinträchtigen die Immunausstattung von Nachkommen Empfehlung

Ein Forschungsteam von der University of Rochester im Bundestaat New York hat in einer Probandenstudie beobachtet, dass eine Exposition mit Giftstoffen wie Per- und Polyfluoralkylsubstanzen (PFAS) während der Schwangerschaft die Entwicklung des kindlichen Immunsystems stören und langfristige Auswirkungen auf die Fähigkeit eines Kindes haben könnte, eine gut regulierte, schützende Immunantwort zu entwickeln.


T-Zellen (T-Lymphozyten) sind weiße Blutkörperchen, die eine entscheidende Rolle im adaptiven Immunsystem spielen. Sie werden im Knochenmark gebildet und reifen im Thymus heran, wo sie lernen, zwischen körpereigenen und fremden Strukturen zu unterscheiden. T-Zellen koordinieren alle Arten von Immunzellen, um sowohl zelluläre als auch antikörpervermittelte Reaktionen zu steuern. Während bereits bekannt ist, dass die auch Ewigkeitschemikalien genannte PFAS die Immunität beim Menschen verändern, waren bislang die spezifischen Auswirkungen einer PFAS-Exposition in der frühen Kindheit auf die Entwicklung von T-Zellen bei Säuglingen untersucht worden. 

Deshalb hat das Wissenschaftsteam aus Rochester Mutter-Kind-Paare im Rahmen der UPSIDE-ECHO-Kohorte im ersten Trimester zwischen 2015 und 2019 untersucht. Die Paare wurden ab da bis zum ersten Geburtstag des Kindes begleitet. Verschiedene PFAS-Konzentrationen der Mütter wurden im zweiten Trimester mittels Hochleistungsflüssigkeitschromatographie und Tandem-Massenspektrometrie im Serum quantifiziert. Die Häufigkeiten der T-Lymphozyten der Säuglinge wurden bei der Geburt und im Alter von 6 und 12 Monaten mittels Massenzytometrie und hochdimensionaler Clustering-Methoden ermittelt.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten messen, dass die PFAS-Exposition im Mutterleib mit mehreren CD4+-T-Zell-Subpopulationen bei Säuglingen korrelierte. Die größten Effekte wurden bei T-Follikelhelferzellen und T-Helferzellen 2 im Alter von 12 Monaten beobachtet. Follikuläre T-Helferzellen interagieren mit den verwandten follikulären B-Zellen. Sie triggern die Bildung von Keimzentren im lymphatischen Gewebe und steuern u.a. die Selektion und das Überleben von B-Zellen. T-Helferzellen 2 dagegen aktivieren B-Zellen, sie können bei Bedarf aber auch Botenstoffe aussenden, wodurch bestimmte B-Zelltypen in einen anderen B-Zelltyp umgewandelt werden. Je höher der Anteil an PFAS im Körper der Mutter war, desto auffälliger war der geringere Anteil an T-Follikelhelferzellen und der höhere Anteil an T-Helferzellen 2 im Kindesalter von 12 Monaten.

Jedoch sind noch weitere Probandenstudien notwendig, um die PFAS-assoziierten T-Zell-Verteilung und ihre Rolle auf immunbedingte Gesundheitsfolgen bei Kindern zu untersuchen.

Original paper:
Meléndez DC, Laniewski N, Jusko TA, Qiu X, Lawrence BP, Rivera-Núñez Z, Brunner J, Best M, Macomber A, Leger A, Kannan K, Miller RK, Barrett ES, O'Connor TG, Scheible K. In utero per - and polyfluoroalkyl substances (PFAS) exposure and changes in infant T helper cell development among UPSIDE-ECHO cohort participants. Environ Health Perspect. 2025 Jun 9. doi: 10.1289/EHP16726. Epub ahead of print. PMID: 40489731.

Weitere Informationen:
https://www.niehs.nih.gov/health/topics/agents/pfc
https://chemtrust.org/pfas/
https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/studie-pfas-chemikalien-gelangen-ueber-plazenta-und-muttermilch-in-koerper-von-kindern-a-b5f8a045-fcba-4c15-bbf5-3d19761ec863