Die Strategie wurde von der Regierung gemeinsam mit Biowissenschafts-, Vertreter:innen der Wirtschaft und Tierschutzorganisationen entwickelt und setzt damit die Vereinbarung aus dem Regierungsprogramm um. Die Finanzunterstützung soll u.a. dabei beitragen, neue Methoden für die Produkttestung voranzutreiben. Schwerpunkt sind Impfstoffentwicklungen, Pestizid- und Umwelttests. Es sollen mehr Organ-on-a-Chip-Systeme mit menschlichen Zellen, 3D gedruckte menschliche Gewebe und KI zur Analyse riesiger Mengen von Informationen über Moleküle genutzt werden, um vorherzusagen, ob neue Medikamente wirksam und sicher sind.
Gleichsam ist geplant, bis Ende 2026 vorgeschriebene Haut- und Augenreizungs- sowie Hautsensibilisierungstests mit Tierren zu beenden. Auch sollen bis 2027 Tests zur Wirksamkeit von Botox an Mäusen nicht mehr erlaubt sein sowie Humanarzneimittelprüfungen auf auf zufällige Verunreinigungen (Pyrogene) durch auf humaner DNA basierende Labormethoden durchgeführt werden.
Hinzu kommt, dass bis 2030 auch pharmakokinetische Studien – die verfolgen, wie sich ein Medikament im Laufe der Zeit im Körper verteilt – an Hunden und nicht-menschlichen Primaten reduziert werden sollen. Zu Tierversuchen in der Grundlagenforschung äußern sich die Beteiligten jedoch nicht.
Eine Reduktionsstrategie wurde im Herbst letzten Jahres auch in Deutschland entwickelt, es kam durch die vorzeitige Beendigung der Ampelkoalition jedoch nie zu einer Umsetzung. Im inzwischen für Tierschutzbelange zuständigen Ministerium bedauerte man dies und wies darauf hin, dass für die Umsetzung neuer Methoden in die Praxis das Bf3R zuständig sei. In der letzten Legislatur habe man dafür Geld zur Verfügung gestellt (wir erinnern uns: 5 Mio. Euro). Es wurde auch auf den Tierschutzforschungspreis in Höhe von 200.000 Euro hingewiesen.
Das ist natürlich kein Vergleich zu den 75 Mio. Pfund Sterling in Großbritannien. Davon sollen 60 Millionen Pfund für die Einrichtung eines Zentrums verwendet werden, das Daten, Technologie und Fachwissen zusammenführt. Zudem kommen 15,9 Mio. Pfund von Medical Research Council, Innovate UK und vom Wellcome Trust, um die Verwendung humaner in vitro-Modelle zu fördern.
Die Strategie wird von einem Ausschuss unter dem Vorsitz des Wissenschaftsministers und weiterer Minister und Ministerien überwacht, die Fortschritte werden mit Leistungsindikatoren überwacht. Für die Aus-, Fotz und Weiterbildung wird es eine Grundausbildung in alternativen Methoden für Nachwuchsforscher geben.
Quelle und weitere Informationen:
https://www.gov.uk/government/news/animal-testing-to-be-phased-out-faster-as-uk-unveils-roadmap-for-alternative-methods
Dr. rer. nat.
Menschen für Tierrechte - Tierversuchsgegner Rheinland-Pfalz e.V.